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Evaluation und
Dokumentation

Inwieweit gelingt es den Hochschulen, Stipendien einzuwerben? Ist die Förderung von Studierenden in natur- und geisteswissenschaftlichen Fächern ausgewogen?


Um diese Fragen zu beantworten, wurden Förderer und Hochschulen nach ihren Erfahrungen mit dem nationalen Stipendienprogramm. Dies liefert wichtige Erkenntnisse zur Weiterentwicklung und kontinuierlichen Verbesserung des Deutschlandstipendiums.


Das Deutschlandstipendium an privaten Hochschulen


Cover der Untersuchung Im Jahr 2016 wurden durch das Deutschlandstipendium über 25.000 Studierende an rund 290 Hochschulen gefördert. Analysen haben gezeigt, dass die Beteiligung an privaten Hochschulen hinter der Beteiligung der öffentlichen Hochschulen liegt. Die Befragung sollte die Gründe dafür offen legen und den Blick auf mögliche Herausforderungen, Chancen und Bedarfe von privaten Hochschulen bei einer Beteiligung am Deutschlandstipendium richten.

88 Prozent der an der Befragung sich beteiligenden Hochschulen nahmen bereits am Deutschlandstipendium teil. An den befragten privaten Hochschulen wurden die meisten Stipendien von Unternehmen vergeben (53 Prozent). Bemerkenswert ist, dass die Gruppe der Privatpersonen und Alumni mit 23 Prozent bereits die zweitgrößte Förderergruppe stellt und damit noch deutlich vor den Stiftungen (16 Prozent) liegt.

An 14 Prozent aller Hochschulen werden auch ideelle Fördermaßnahmen für Stipendiaten angeboten. An 80 Prozent ist dies nicht der Fall. Sechs Prozent der Hochschulen möchten diese Fördermöglichkeit künftig anbieten.

89 Prozent der Hochschulen zeigten sich mit dem Deutschlandstipendium sehr bzw. eher zufrieden. Elf Prozent sind eher unzufrieden. Als Grunde für eine Unzufriedenheit wurde oftmals der bürokratische Aufwand (zum Beispiel für Förderakquise, Verwaltung und statistische Datenerhebungen) genannt, der durch das Hochschulbudget insbesondere bei kleineren Hochschulen nicht gedeckt werden könne. Dies haben auch manche der nicht-teilnehmenden Hochschulen als Begründung für ihre Zurückhaltung angegeben. 14 Prozent der befragten Hochschulen sahen es als Nachteil an, vor dem Hintergrund einer privatwirt­schaftlichen Rechtsform (zum Beispiel GmbH) keine Spendenbescheinigungen für Förderer ausstellen zu können.

PDF-Download der Befragungsergebnisse



Die Umsetzung des Deutschlandstipendiums an den Hochschulen – Analysen, Beispiele, Empfehlungen


Cover der Untersuchung Die im April 2017 veröffentlichte Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung soll allen Interessierten einen detaillierten Einblick in die Umsetzung des Deutschlandstipendiums geben. Hierzu bietet sie eine Vielzahl von Analysen und Beispielen. Angelegt ist die Veröffentlichung vor allem als Uterstützung für die Hochschulen, die bereits das Deutschlandstipendium umsetzen oder seine Umsetzung
planen. Sie dient dazu, Hochschulen zu motivieren und inspirieren, sich am Deutschlandstipendium zu beteiligen bzw. die Förderung vor Ort weiterzuentwickeln. Besonders relevant dürfte die Untersuchung für Hochschulleitungen sowie die Koordinatoren des Deutschlandstipendiums an den Hochschulen sein. Die Veröffentlichung richtet sich aber auch ausdrücklich an all die anderen Akteure, die gemeinsam zum Gelingen des Deutschlandstipendiums beitragen. Dazu gehören insbesondere Hochschulverwaltungen, Professoren, Studierende sowie die Förderer des Deutschlandstipendiums.

Die Analysen, Beispiele und Empfehlungen der vorliegenden Untersuchung stammen aus der von 2014 bis 2016 durchgeführten Begleitforschung des Deutschlandstipendiums, mit der das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Ramboll Management Consulting beauftragt hat. Anregungen des Beirats Deutschlandstipendium zu Inhalt und Konzept der Begleitforschung wurden aufgenommen. Die Begleitforschung hat zum einen das Ziel, die soziale Ausgewogenheit, Wirksamkeit und Relevanz der Förderung kritisch zu prüfen. Zum anderen soll die Begleitforschung zur Weiterentwicklung des Deutschlandstipendiums sowohl auf Programmebene als auch auf Ebene der einzelnen Hochschulen beitragen. Daher standen insbesondere die Gestaltungsoptionen der Hochschulen bei der Umsetzung des Deutschlandstipendiums im Fokus der Untersuchung. Hierzu gehören die Bewerbungs- und Auswahlverfahren, die Zuordnung der Geförderten zu den Förderinnen und Förderern sowie die ideelle Förderung.

Die Untersuchung berücksichtigt vor allem die Ergebnisse der qualitativen Fallstudien an zwölf am Deutschlandstipendium beteiligten Hochschulen. Die ausgewählten Hochschulen gehören einer Zufallsstichprobe von 50 Hochschulen an. Diese wurde gezogen, um eine standardisierte Online-Befragung zur Stipendiaten- und Förderstruktur durchzuführen. Die Ergebnisse dieser Befragung wurden bereits am 9. März 2016 veröffentlicht. Anhand der Stipendiaten- und Fördererangaben sowie einer weiteren halbstandardisierten Befragung der Hochschulkoordinatorinnen und -koordinatoren zur Umsetzung des Deutschlandstipendiums wurden Beispiele guter Praxis für eine genauere Untersuchung identifiziert. Ergänzt werden die Erkenntnisse aus den Fallstudien durch die bisher noch nicht veröffentlichten Ergebnisse der standardisierten Stipendiaten- und Fördererbefragung.

Druckfassung der Untersuchung (PDF)



Stellungnahme des Stifterverbandes zu den Ergebnissen von Evaluation und Begleitforschung zum Deutschlandstipendium


Das Stipendienprogrammgesetz (StipG) sieht eine Evaluation des Deutschlandstipendienprogrammes nach Ablauf von vier Jahren vor. Sie soll prüfen, ob an allen Hochschulstandorten ausreichend private Mittel für die Vergabe von Deutschlandstipendien eingeworben werden können oder ob Ausgleichsmaßnahmen zu ergreifen sind (vgl. StipG §15). Zusätzlich wurde eine Begleitforschung in Auftrag gegeben, die sich insbesondere mit der Sozialstruktur der Stipendiaten und der Zusammensetzung und Motivation der Förderer befasst.

Die vorliegenden Ergebnisse von Evaluation und Begleitforschung sind aus Sicht des Stifterverbandes ermutigend und zeigen, dass sich das Deutschlandstipendium in den letzten Jahren fest in der Hochschulwelt etabliert und vielerorts eine neue Stipendienkultur angeregt hat. Dies deckt sich mit eigenen Erfahrungen und Erhebungen von Stifterverband und Servicezentrum Deutschlandstipendium.

Wesentliche Voraussetzung für das Gelingen das ist die erfolgreiche Einbindung von privaten Förderern wie Unternehmen, Stiftungen, Privatpersonen, Vereinen und Verbänden. Dazu liefern Evaluation und Begleitforschung die folgenden bemerkenswerten Ergebnisse:
  • Für 32 Prozent der privaten Mittelgeber war das Deutschlandstipendium der Auslöser, erstmalig eine Kooperation mit einer Hochschule zu beginnen, beziehungsweise sich überhaupt im Bereich der Begabtenförderung zu engagieren. Dies zeigt, dass das Deutschlandstipendium hier bislang ungenutzte Potentiale hebt und den Aufbau von Netzwerken zwischen der Hochschule und privaten Unterstützern maßgeblich fördert.
  • Viele der privaten Förderer unterstützen das Deutschlandstipendium über einen längeren Zeitraum hinweg. 86 Prozent wollen sich auch künftig für das Deutschlandstipendium engagieren. Dies spricht für eine hohe Qualität und nachhaltigen Nutzen des Programmes für Studierende, Hochschulen und Förderer.
  • Bei Unternehmen, der mit einem Anteil von über 60 Prozent größten Förderergruppe, ist das Deutschlandstipendium für viele Branchen gleichermaßen attraktiv. Eine hohe Beteiligung findet sich beispielsweise in den Bereichen Banken, Versicherungen, IT, Chemie, Pharma, Maschinenbau, Kfz-Produktion und -Zulieferung. Knapp 70 Prozent der Unternehmen haben mehr als 250 Beschäftigte und erwirtschaften über 50 Mio. Euro Jahresumsatz. Nachholbedarf besteht daher noch bei der Einbindung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Gemessen an ihrem Anteil in der Gesamtwirtschaft sind die KMUs hier unterrepräsentiert und sollten durch weitere (Werbe-)Maßnahmen eingebunden werden.
  • Jeder dritte Förderer wurde von dem Hochschulpräsidenten beziehungsweise Rektor einer Hochschule persönlich auf das Deutschlandstipendium angesprochen, 46 Prozent durch das Hochschulpersonal. Dies unterstreicht, wie wichtig das Bekenntnis und eine breite motivationale Basis für dieses Förderinstrument bis hinauf in die Leitungsebene einer Hochschule ist.
  • Die Etablierung des Deutschlandstipendiums war insbesondere an den Hochschulen erfolgreich, die es zum Anlass genommen haben, langfristig professionelle Fundraisingstrukturen auf- bzw. auszubauen. Dazu zählen beispielsweise klare Zuständigkeiten seitens des Personals, ein langfristiger Beziehungsaufbau mit privaten Partnern, die Intensivierung der Alumni-Arbeit und der Aufbau einer vielschichtigen Fördererstruktur aus Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen (anstelle einer Konzentration auf wenige Großförderer).
  • An 90 Prozent der staatlichen Hochschulen werden bereits Deutschlandstipendien vergeben. Die Einbindung von privaten Hochschulen sollte durch entsprechende kommunikative Maßnahmen erhöht werden.
  • Grundsätzlich kann die Empfehlung, die Etablierung einer umfassenden und langfristigen Stipendien- und privaten Förderkultur in die Zielvereinbarungen zwischen Hochschulen und Ländern mit aufzunehmen, nur nachdrücklich unterstützt werden.
Durch die Ergebnisse aus Evaluation und Begleitforschung fühlt sich der Stifterverband in seiner Arbeit bestätigt, die Entwicklung dieses Förderprogrammes durch eigene Maßnahmen wie das Servicezentrum Deutschlandstipendium und die dort durchgeführten Projekte wie Workshops, Wettbewerbe und Veröffentlichungen aktiv zu unterstützen.

Abschlussbericht zur Begleitforschung (PDF)

Ergebnisse der Evaluation (PDF)